Von der schwerhörigen Allgemeinmedizinerin Dr. Ulla Schultens-Kaltheuner
Die Buchdaten:
Titel: Ich bin schwerhörig – und das ist auch gut so!
Autor: Dr. Ulla Schultens-Kaltheuner
ISBN: 3-8107-0049-5 - Einbandart: Paperback - 8 farbige Abbildungen – Format: 20,7x13 cm
Gebundener Ladenverkaufspreis: 14,80 €
Buchhomepage: www.ichbinschwerhoerig.de
Leseprobe und Bestellungen direkt beim Verlag unter: www.verlag-mainz.de oder im Buchhandel
Zur Autorin:
Dr. Ulla Schultens-Kaltheuner, geb. 1959 in Köln, arbeitet als niedergelassene Fachärztin für Allgemeinmedizin in Leverkusen. Seit 1997 trägt sie beidseitig Hörgeräte aufgrund einer fortschreitenden Innenohrschwerhörigkeit.
Zum Inhalt:
Das Buch richtet sich an zwei große Zielgruppen im Bereich Schwerhörigkeit: An unmittelbar Betroffene und an Menschen, die mehr über Schwerhörigkeit und das menschliche Hörvermögen erfahren möchten. Insbesondere Angehörige und Freunde von Schwerhörigen erhalten durch das Buch einen Einblick in den leisen Alltag der Betroffenen.
Die schwerhörige Autorin ist praktizierende Ärztin und ermöglicht dem Leser Schwerhörigkeit aus zwei Perspektiven zu erfahren: Aus einer autobiographischen Sichtweise heraus wird der Alltag von Schwerhörigen in gut lesbarer Sprache thematisiert. Das zusätzliche Bonbon des Buches ist das medizinisch fundierte Hintergrundwissen, dass die Autorin zum Thema Schwerhörigkeit und das menschliche Hörvermögen anbringt. Auch in diesem Segment verliert sie nicht den medizinischen Laien aus dem Blick und schreibt allgemein verständlich.
Die persönlich betroffene Autorin gibt, auch medizinisch fundierte, Antworten auf alltägliche Probleme von Schwerhörigen:
- Warum wird Schwerhörigkeit so häufig verleugnet?
- Warum ist es so schwierig sich die eigene Schwerhörigkeit einzugestehen?
- Warum versuchen die Betroffenen möglichst lange unauffällig zwischen den gut Hörenden weiterzuleben?
- Was bedeutet ein Leben mit Hörgeräten?
- Welche Chancen, welche Vor- und welche Nachteile bietet ein solches Leben?
- Wie lebt es sich mit seinen nächsten Angehörigen und Freunden?
Rezensionen
Es ist eine glückliche Kombination, wenn eine seit dem 30. Lebensjahr selbst hörgeschädigte Allgemeinärztin sich mit "Schwerhörigkeit" befasst. Eigentlich ergänzen sich drei Perspektiven: die der einstmals gut Hörenden, die der Schwerhörigen und die der Kennerin medizinischer Möglichkeiten und Grenzen. Sehr gut ist daher auch mit einer Parabel eingeleitet, dass es auch bei verschlossenen Türen einen Weg geben kann, der offen steht.
Anschaulich schildert Ulla Schultens-Kaltheuner ihr eigenes Leben, um spielerisch zu ihren Folgerungen zu kommen, wieso es für sie gut ist, schwerhörig zu sein. Auch Tinnitus hat sie. Sie verkennt nicht die Sache an sich, das soziale Dilemma und das innere Leiden ob allen vergeblichen Mühens und Kämpfens. Sie will ja zeigen, dass es immer noch eine offene Türe, einen Ausweg gibt.
Deshalb kann der sehr provokativ gewählte Titel auch nur verstanden werden aus dem Bedürfnis heraus, Mut zu machen, neue Chancen zu sehen. Mit Humor versucht die Autorin, einen neuen Blickwinkel zu ermöglichen. Z. B. konstatiert sie mit trockenem Humor, dass ihre Hörkurve einfach nicht da liege, wo sie liegen sollte.
Ausgezeichnet ist, wie sie den Alltag in ihrer Familie schildert. Ein Beispiel möchte ich zitieren: "Mein damals 13jähriger Sohn sagte: […]"Ich schäme mich vor meinen Freunden, weil du so schlecht hörst - (Pause) -, und ich schäme mich, weil ich mich schäme, weil du doch nichts dafürkannst".
Sehr gut ist, wie sie die medizinischen Hintergrundinformationen anschaulich präsentiert.
Einige Adressen schließen das Buch ab. Es ist vor allem für Betroffene und ihre Angehörigen, sowie für Fachleute, die mit Hörgeschädigte zu tun haben, geeignet.
Irmgard Schauffler



